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    Kürbis-Kern-Öl: Alles rund um den Steirischen Ölkürbis


    Qualitative Beurteilung von Kürbiskernöl:

    Herkunftsschutz:
    Das Produkt „steirisches Kürbiskernöl“ genießt seit 1998 einen Herkunfts- und Markenschutz seitens der EU. Das Kürzel „g.g.A.“ (geschützte geographische Angabe) garantiert ob der Kontrolle durch zwei akkreditierte Kontrollfirmen (Fa. LACON und Fa. SGS) folgende Spezifikation:

    • Anbaugebiet der verwendeten Kürbiskerne (Steiermark, südl. Burgenland, Teile Niederösterreichs), ausschließlich der Sorte steirischer Ölkürbis = cucurbita pepo var. styriaca, also der schalenlos wachsende, steirische Kürbiskern
    • Herstellungsgebiet des Öles (nur Steiermark und südl. Burgenland), produziert von einer befugten gewerblichen Ölmühle
    • Herstellungsverfahren – nach traditioneller Methode gepresstes Kürbiskernöl, beginnend mit: mahlen der Kerne, verkneten mit Wasser und Salz, schonendes konditionieren (rösten) in einer Pfanne, Auspressen mit einer Seiherpresse.

    Erkennungszeichen:   
    • Produktname „steirisches Kürbiskernöl ggA“
    • Banderole mit Prüfnummer oder EU-Logo mit Angabe der Kontrollfirma

    Sensorische Beurteilung:

    typische Farbe: Kürbiskernöl ist ein naturbelassenes Öl mit wechselnd tiefgrüner und rötlichbrauner Farbe je nach Betrachtung (dichroitisch). Die intensive Farbe kann von Textilien nach dem Waschen durch einfaches Bleichen an der Sonne entfernt werden.
    Geruch und Geschmack: Kürbiskernöl besitzt ein sehr ausgeprägtes, typisch nussiges Aroma, kombiniert mit feinen Röstaromen und betörendem Duft nach frischer Brotrinde sowie feinen Karamell- und Kaffeetönen. 
    Keine unangenehmen Geschmacksanteile wie bitter, ranzig, unfein, tranig
    Bitte beachten: die sensorische Beurteilung wird immer vom persönlichen Geschmacksempfinden beeinflusst, die traditionelle Fertigung ergibt auch unterschiedliche Produktnuancen in entsprechender Vielfalt wie auch z.B. bei Wein. 

    Gerhard Hartlieb, Müller und Ölpresser erzählt: Wie der Kürbis ins Sulmtal kam!

    Und zwar war das so, dass ein Sulmtaler Bauer derfragt hat, dass es irgendwo in der Predinger oder Hengsberger Gegend eine Ölfrucht gäbe, also irgendetwas wo man Öl draus machen kann. Eines Tages machte er sich auf den Weg über die Hügel hinüber, über Kitzeck bis hinunter nach Preding und dort hat er um diese Früchte gefragt. Die Predinger wussten nicht recht was er meint aber dachten sich, dem müssen wir etwas Erzählen. Und so sagten Sie ''ah, du meinst die Eseloa (Esel - Eier)', er antwortet 'er weiß auch nicht genau, aber irgend so etwas ist es halt, was da angebaut wird und bei uns noch nicht'. Nach einigem Hin und Her haben sie ihm halt einen so einen Kürbis verkauft. Am Heimweg hat er vor lauter Durscht in Kitzeck einkehren müssen und wie er dann auf der Schneid' oben war, ist er, vom Rausch übermannt, schläfrig geworden. Neben einem Baum hat er sich niedergesetzt. Und wie er sich so niedersetzt, denkt er die runde Frucht könnte fortkugeln, und daher setzt er sich drauf. Nach einiger Zeit, wie er wieder aufkommt, und schlaftrunken noch nicht gewusst hat, wo er ist, hat er sich aufgerappelt und wie er aufsteht, fangt der Kürbis an zu kugeln. Der Kürbis ist im Tal zerschellt und die Kerne sind in alle Richtungen geflogen und so sind die Kürbiskerne ins Sulmtal gekommen.

    Wann sich das zugetragen hat, wissen wir nicht. Nur nach den jüngsten geschichtlichen Erkenntnissen sind die ersten Kürbisse in Gleinstätten angebaut worden. Und zwar gibt es da eine urkundliche Erwähnung vom 18.2.1697.

    Wir selber haben in unserem Betrieb eine Kopie von 1773 aus einer Handschrift von Maria Theresia, ergehend an die Steirer vom 'nützlichen Gebrauche mit den sog. Kürbissen'. Darin werden die Leute hingewiesen, was sie mit dem Kürbisfleisch alles tun können. Z. B. Brotbacken teils als Wasserersatz oder Mehlersatz haben sie das Kürbisfleisch zermatschkert, und haben sie sozusagen mit dem Mehl vermengt damit sie sparen konnten. Und dort steht auch der Hinweis, dass sie einen Teil der Ernte reif werden lassen sollten und die Kerne essen. Weil es gab damals Heuschreckenplagen, die die Ernten dezimiert haben, und da haben die Leut' Hunger gelitten und das war dann der Anlass, dass man angefangen hat den Kürbiskern extra zu ernten. Zuerst hat man ja nur den Kürbis als Gemüse gegessen. Die Maria Theresia war a gscheites Weiberl, weil sie hat anscheinend schon gewusst, dass in dem Kern ein wertvolles Fett drinnen ist. Um 1773 herum, hat man begonnen aus dem Kürbiskern Öl zu pressen.
    Weil früher ein jeder von dem gelebt hat, was er selber angebaut hat, hat man es für den Hausgebrauch genutzt, es war für jeden da aber noch keine Handelsware. Erst nach dem Krieg hat man aus der Not - die Stadtleut' haben teilweise Geld gehabt, aber nichts zu essen - den Handel begonnen. Ich kann mich noch erinnern, dass man in den 48er, 49er Jahren für einen Kilo Schweinefett 100,-- Schilling bezahlt hat. Ein Taglöhner hat in der Landwirtschaft 5,-- Schilling pro Tag verdient. In der Stadt hat man zu dieser Zeit Speiseöl bekommen. Ein weißes Öl war bei uns in den 50er Jahren eine absolute Rarität. Es hat keiner gegessen, hat auch keiner gebraucht, weil mit Schmalz gekocht wurde. Und zu der Zeit hat dann der Handel mit dem Kernöl begonnen und heute ist es auf der ganzen Welt verbreitet. 
     
    Geschichte aus dem Naturparkkochbuch "Unter dem Regenbogen" erhältlich unter www.naturparkweinland.at